Pressemeldung vom 8. November 2000:

Patent auf Tiere mit menschlichen Organen bleibt gültig -
"Ohrmaus" und andere Mensch-Tier-Wesen auch künftig patentiert?

Greenpeace: Entscheidung aus taktischen Gründen vertagt

Hamburg/München 8.11.2000 ? Das Patent auf Säugetiere, in die menschliche Zellen und Organe verpflanzt wurden, bleibt bis auf weiteres gültig. Das Europäische Patentamt (EPA) in München hat heute in einer Verhandlung überraschend keine Entscheidung über die Einsprüche von Patentgegnern getroffen, die aus ethischen Gründen die Rücknahme des 1995 erteilten Patents gefordert hatten.

"Die Verschiebung der Entscheidung ist reine Taktik", sagt Dr. Christoph Then, Gentechnikexperte von Greenpeace, der für die Einsprechenden die heutige Verhandlung am EPA führte. "Das Amt steckt wegen der Patentskandale der letzten Monate in der Klemme und will Entscheidungen über Patente auf Lebewesen lieber hinter verschlossenen Türen fällen."

Mit dem Patent EP 322240 behält der Patentinhaber, die Universität Stanford in den USA, auch künftig den Patentanspruch auf Säugetiere, in die menschliche Zellen oder Organe verpflanzt werden. Das Patent erstreckt sich beispielsweise auf Affen, denen menschliche Gehirnabschnitte eingepflanzt werden. Berühmtestes Beispiel dieser Eingriffe ist eine Maus, der ein menschliches Ohr auf den Rücken verpflanzt wurde. Nicht nur das Verfahren dieser Transplantationen, sondern auch die Tiere selbst werden durch das Patent zur nutzbaren "Erfindung" der US-amerikanischen Forscher. Nutzer des Patents ist der Pharma-Konzern Novartis in Basel.

"In Europa werden weiterhin bedenkenlos Patente auf Tiere, Pflanzen und Gene erteilt. Tiere und Menschen sind aber keine Maschinen, an denen man beliebig ein paar Teile austauschen kann. Wer ein Patent auf Affen mit menschlichen Hirnteilen erteilt, durchbricht jede ethische Schranke."

Greenpeace fordert, die Patentierung von Lebewesen und deren Genen zu verbieten. Greenpeace wird anlässlich der Konferenz der Mitgliedsländer der Europäischen Patentorganisation (EPO), die ab 20. November in München stattfinden wird, Vorschläge zur Neugestaltung des Patentrechtes machen. "Die Teilnehmer dieser Konferenz müssen das Patentamt in seine Schranken weisen und der Patentierung von Leben ein Ende bereiten", fordert Then. "Jetzt sind alle europäischen Regierungen gefordert. Sie müssen der Willkür der Patent-Prüfer und der Gewissenlosigkeit von Forschung und Industrie klare gesetzliche Grenzen setzen."

Home ] Aktuell ] Cyberact ] Press Releases ] Download ] Forum ] Contact ] Suche ]

© Greenpeace Luxembourg 2001 -- Update: 17-12-05