Pressecommuniqué vom 14. Februar 2001:

Genpatente bedrohen Menschen

Zur Zeit berät die Ethik-Kommission der Abgeordnetenkammer über die Umsetzung der Direktive 98/44/EC über den rechtlichen Schutz biotechnologischer Erfindungen. Diese erlaubt die Patentierung von Genen, Pflanzen, Tieren, dem menschlichen Erbgut und Teilen des menschlichen Körpers.

Im Rahmen eines Hearings bekamen diese Woche die beiden NGO aus dem Umwelt- und Dritte-Welt-Bereich, Greenpeace und ASTM, die Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen. Dabei wurde klar, daß Patente auf Leben die weltweite Gesellschaft vor ethische, soziale und umweltpolitische Probleme ungeahnten Ausmaßes stellen. Beide Organisationen forderten daher einhellig, daß die Umsetzung der umstrittenen Direktive in nationales Recht gestoppt wird und die Luxemburger Regierung sich auf EU-Ebene für die Überarbeitung der Direktive einsetzten muß.

Der in der Kommissionssitzung anwesende Wirtschaftsminister Grethen wies jedoch die Forderungen von Greenpeace und ASTM strikt zurück und lehnt damit jegliche politische und moralische Verantwortung für die Umsetzung der Patentdirektive ab.

Aufgrund der Patentierbarkeit von menschlichen Genen und Teilen des menschlichen Körpers wird menschliches Leben zu einem kommerziellen Produkt degradiert. Bereits erteilte Patente, z.B. auf genmanipuliertes menschliches Erbgut und Chimären, also Mischwesen aus Mensch und Tier, beweisen, daß der Mißbrauch menschlichen Erbguts ermöglicht und quasi unkontrollierbar wird. Pharma-Konzerne erhalten durch Patente auf Gene die Kontrolle im Bereich der medizinischen Forschung und können die Entwicklung von Medikamenten und Heilverfahren gezielt blockieren.

Patente auf Pflanzen und Tiere führen zur Kontrolle weniger multinationaler Konzerne, wie z.B. Monsanto, Aventis oder DuPont, über die gesamte weltweite Nahrungsmittelproduktion -vom Feld bis auf den Teller. Aufgrund der wachsenden Abhängigkeit von Agrarkonzernen stehen nicht nur die Interessen der europäischen Landwirte auf dem Spiel.

Besonders dramatisch sind die Auswirkungen von Patenten auf die Ernährungssicherheit in den Ländern der Dritten Welt. Dort riskiert die Genrevolution mehr Probleme zu schaffen als sie zu lösen verspricht. Durch die Patentierung von Pflanzen, Saatgut, Anbauverfahren und Tierarten werden einige wenige Konzerne die Landwirtschaft und die weltweite Nahrungsmittelproduktion kontrollieren. Saatgutkosten für patentierte Nutzpflanzen sowie die Anwendung von "Terminator"-Technologien verschärfen zunehmend Hunger und Armut in den Ländern der Dritten Welt. Patente auf gentechnischen Erfindungen sind nichts anderes als der Schutz der Privilegien und Profite, die sich 6 große transnationale Konzerne widerrechtlich durch "Biopiraterie" angeeignet haben - auf Kosten der uralten Rechte der Menschheit und vor allem der Bäuerinnen der Dritten Welt.

Die umstrittene Patentierungsdirektive 98/44/EC ist bislang nur von drei EU-Staaten umgesetzt worden. Die Niederlande und Italien klagen derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Direktive. Ärzteverbände, Patientenorganisationen, viele kirchliche Verbände und Umwelt- und Tierschutzorganisationen lehnen die Direktive ab. Der Europarat forderte in einer Resolution Ende Juni 2000, daß die Direktive überarbeitet werden muß.

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© Greenpeace Luxembourg 2001 -- Update: 17-12-05