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Pressecommuniqué vom
14. Juni 2001:
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Wird der Europäische
Gerichtshof Gen-Patente erlauben?
Greenpeace: Regierung und
Parlament müssen Patente auf Leben stoppen
Luxemburg, den 14. 6. 2001 - Der
Europäische Gerichtshof wird die Klage der Niederlande, Italiens und Norwegens
gegen die umstrittene Bio-Patent-Direktive der EU voraussichtlich abweisen. Der
Generalanwalt des Gerichtshofes in Luxemburg erklärte heute in seinem
Schlußantrag, daß die Klage der drei Länder juristisch unbegründet sei. Er
wies jedoch in seinem Schlußantrag darauf hin, daß die Klage auf einem
berechtigten ethischen Anliegen basiere, da "unverantwortliche Anwendungen
in der Biotech-Forschung mit aus ethischer Sicht nicht zu vertretenden
Konsequenzen" möglich seien. Biotechnologische Erfindungen, die gegen die
Menschenwürde verstoßen, sind nach Meinung des Generalanwalts nicht
patentierbar.
"Der Generalanwalt des EuGH
hat zwar auf die ungeklärten ethischen Aspekte der Patentierung von Lebewesen
hingewiesen und einen Handlungsbedarf diesbezüglich deutlich gemacht, er hat
jedoch die Patentierbarkeit von Genen und lebenden Organismen prinzipiell nicht
in Frage gestellt," erklärt Martina Holbach von Greenpeace Luxemburg.
Mit der Bio-Patent-Direktive wird
in Europa erstmals die Vergabe von Patenten auf lebende Organismen gesetzlich
erlaubt. Sie ermöglicht es der Biotechnik-Industrie, Monopol-Rechte auf
einzelne Gene, Teile des menschlichen Körpers, auf Tiere, Pflanzen und Saatgut
zu erhalten. Die Niederlande, Italien und Norwegen wollten mit ihrer Klage
erreichen, daß die Patent-Direktive 98/44/EG für nichtig erklärt wird. Nach
ihrer Rechtsauffassung verstößt sie gegen die Prinzipien des EU-Rechtes und
ist unvereinbar mit der Menschenwürde. Auch die meisten anderen EU-Staaten
haben die Direktive bisher nicht umgesetzt.
"Patente auf Leben darf es
nicht geben, Leben darf nicht zum Eigentum von Privatfirmen werden," so
Martina Holbach. "Greenpeace fordert deshalb die luxemburgische Regierung
auf, unabhängig vom Urteil des EuGH die Patent-Direktive nicht in nationales
Recht umzusetzen, sondern eine Neuverhandlung auf EU-Ebene zu verlangen."
Die Direktive war international
in die Kritik geraten, nachdem das Europäische Patentamt (EPA) in München
damit begonnen hatte, Pflanzen und Tiere zu patentieren und auch Patente auf
menschliche Gene für legal erklärte. Greenpeace deckte auf, daß das EPA sogar
Patente auf menschliche Organe, auf menschliche Embryonen und auf Mischwesen aus
Mensch und Tier erteilt hat.
In Luxemburg sprachen sich
bislang neben Greenpeace und der Dritt-Welt-Organisation ASTM die Fraktionen von
CSV, LSAP und Déi Gréng sowie die katholische Kirche öffentlich gegen die
Umsetzung der Direktive aus. Auch im Ausland gibt es heftige Kritik aus allen
Teilen der Gesellschaft: die europäische Ärztevereinigung, der deutsche
Bauernverband, die katholische und evangelische Kirche Deutschlands sowie die
ethischen Beratergruppen Dänemarks und Frankreichs haben eine Neuverhandlung
dieser Richtlinie gefordert.
Ein Termin für die endgültige
Entscheidung des EuGH wurde noch nicht genannt.
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