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Pressemeldung vom 18. Oktober
2000:
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Deutsche
Regierung will EU-Patentierungs-Direktive auf EU-Ebene neu verhandeln
Greenpeace
fordert: die Direktive darf in Luxemburg nicht umgesetzt werden
Die deutsche
Regierung hat heute in einer Mitteilung erklärt, daß die umstrittene
EU-Direktive zur Patentierung biotechnologischer Erfindungen 98/44/EC im
Hinblick auf die rasanten Entwicklungen im Bereich der Biotechnologie
unzulänglich ist und fordert deshalb, daß die Direktive überarbeitet wird.
Die Regierung hat angekündigt, einen diebezüglichen Änderungsprozeß auf
EU-Ebene zu initiieren.
In der Begründung heißt es unter anderem, daß
"insbesondere die Reichweite des Stoffpatents im biotechnologischen Bereich
zu überprüfen ist. Dies bedeutet insbesondere eine Prüfung der
Voraussetzungen einer Patentierbarkeit von Genen, Gensequenzen und Teilen von
Gensequenzen, die von menschlichen und tierischen Lebewesen, Pflanzen oder
Mikroorganismen stammen. Aufgrund neuester Entwicklungen in der biomedizinischen
Forschung müssen die ethisch gebotenen Grenzen des Patentrechts gegenüber
Bestrebungen, auch menschliche Körperteile zu patentieren, geschützt und
weltweit durchgesetzt werden. Darüber hinaus muß das Verhältnis von
Patentschutz und Sortenschutz angemessen ausgestaltet werden."
Mit der
Bio-Patent-Richtlinie wird in Europa erstmals die Vergabe von Patenten auf
lebende Organismen gesetzlich erlaubt. Sie ermöglicht es der Biotech-Industrie,
Monopol-Rechte auf einzelne Gene, menschliche Embryonen, Körperteile, Tiere,
Pflanzen, Saatgut und medizinische Verfahren zu erhalten. Damit sichern sich
wenige Konzerne zunehmend die weltweite Kontrolle über
Nahrungsmittel-Produktion und medizinische Forschung.
Die Direktive 98/44/EC
hätte bis Mitte dieses Jahres von allen EU-Staaten umgesetzt werden müssen.
Doch EU-Staaten wie Frankreich, Belgien, Italien und die Niederlande wollen die
Patentdirektive nicht in nationales Recht umsetzen. Die Niederlande und Italien
klagen zur Zeit vor dem Europäischen Gerichtshof. Ärzteverbände,
Patientenorganisationen, viele kirchliche Verbände und Umwelt- und
Tierschutzorganisationen lehnen die Direktive ab. Der Europarat forderte in
einer Resolution Ende Juni dieses Jahres, daß die Direktive überarbeitet
werden muß.
Die umstrittene Patentdirektive soll jetzt auch in luxemburgisches
Recht umgesetzt werden: Der in Luxemburg für die Patentierung zuständige
Wirtschaftsminister Grethen reichte im Juni ein Gesetzesprojekt im Parlament
ein, welches die umstrittene Direktive quasi wortwörtlich in nationales Recht
umsetzen soll. Der Gipfel der Dreistigkeit ist, daß außer dem Staatsrat
lediglich die Chambre de Commerce um eine Stellungnahme gebeten wurde. Die
Bevölkerung, Umweltschutz- und Dritt-Weltorganisationen, Bauern- und
Ärzteverbände sowie kirchliche Interessenvertreter wurden bislang zu diesem
aus ethischer, ökologischer und politischer Sicht hochbrisanten Thema nicht
einmal um ihre Meinung gefragt! Bis Ende des Jahres soll das Gesetzesprojekt
nationales Recht sein - offensichtlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit!
"Greenpeace fordert, daß die Patentierungsdirektive auf keinen Fall in
luxemburgisches Recht übernommen werden darf," sagt Martina Holbach von
Greenpeace Luxemburg. "Die luxemburgische Regierung muß sich statt dessen
mit anderen EU-Staaten dafür einsetzen, daß die Direktive überarbeitet
wird."
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