Pressecommuniqué vom 23. November 2000:

Patent-Konferenz in München von Greenpeace vorübergehend geschlossen

München/Luxemburg, 23.11.2000 - Aus Protest gegen die Weigerung der internationalen Patent-Konferenz in München, über die Patentierung von Leben zu beraten, hat Greenpeace heute morgen den Tagungsort vorläufig geschlossen. 35 Aktivisten aus Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Italien und Dänemark haben vor Konferenzbeginn die Eingänge des Europäischen Patentamtes (EPA) mit einem "Menschen-Banner" blockiert und somit den Konferenz-Delegationen den Zugang zum Patentamt verwehrt. Greenpeace fordert von den Regierungen der beteiligten Staaten, sich aktiv in die Konferenz einzuschalten, damit die Frage der Patentierung von Lebewesen und Genen inhaltlich diskutiert wird.

"Für die hier versammelten Technokraten ist alles, was technisch machbar ist, auch patentierbar", sagt Martina Holbach von Greenpeace Luxemburg. "Und während die Industrie ungestört mit den Vertretern der 20 Konferenzstaaten über den Ausverkauf der Natur mauscheln darf, bleiben die Interessen der Allgemeinheit systematisch aussen vor."

Die Patentierung von Leben stösst unterdessen auf immer heftigere Kritik: eine heute veröffentlichte Emnid-Umfrage in Deutschland zeigt, dass 84% der Bevölkerung sich gegen die Patentierung von Leben aussprechen. Der Europarat hat in einer Resolution im Juni dieses Jahres ein Moratorium bezüglich Patente auf Pflanzen, Tiere und menschliche Gene gefordert; Bauernverbände und die Europäische Aerztevereinigung lehnen ebenfalls die Patentierung von Leben ab. Kirchen und Ethikkommissionen in mehreren Ländern haben die Vorstellung der Patentierung von Leben als unmoralisch zurückgewiesen. Zunehmende Kritik kommt ebenfalls von Seiten der Industrie und von Wissenschaftlern.

Sogar die Regierungen und Parlamente von sechs Staaten (Deutschland, Niederlande, Italien, Frankreich, Belgien und Norwegen) haben sich kritisch zur Patentierung von Leben geäussert. Trotzdem haben die Konferenz-Delegationen dieser Länder sich bislang nicht dementsprechend verhalten. Stattdessen haben sie am vergangenen Dienstag verhindert, dieses hochbrisante Thema zum Gegenstand der Konferenz zu machen, und es abgelehnt, Greenpeace einen Beobachterstatus bei der Konferenz zu erteilen.

"Die Konferenz braucht eine Denkpause. Damit haben die Regierungen die Chance, die Inkompetenz der Technokraten zu korrigieren", so Holbach. "Greenpeace fordert vom luxemburgischen Wirtschaftsminister, dass er jetzt seine Vertretung im München anweist, das Europäische Patentamt wegen seiner skandalösen Patentierungspraxis in seine Schranken zu weisen und die Erteilung von Patenten auf Leben umgehend zu stoppen."

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© Greenpeace Luxembourg 2001 -- Update: 17-12-05